WAZ: Strauß von musikalischen Wünschen

22.03.2013
Photo by Martin Laporte

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Wuppertal. Eine verblüffend glückliche Übereinstimmung der Vorlieben von Publikum und Orchestermusikern haben die letzten beiden Wuppertaler Sinfoniekonzerte zutage gefördert. Hatten sich die Zuhörer im 6. Sinfoniekonzert für Dvorak, Grieg und Smetana entschieden, waren diesmal die Musiker mit Wünschen an der Reihe. Und was kam dabei heraus? Auch Dvorak und dazu Richard Strauss – alles Musik aus dem empfindungsreich-schwärmerisch farbenreichen musikalischen Hauptfeld.

Von Strauss will das Orchester „Eine Alpensinfonie“ spielen – also kein Spaziergang sondern eine fast einstündige durchgehende alpine „Orchestertour“. Die Gründe für die Wahl? Da fasziniert wohl nicht nur die Hörer sondern mindestens ebenso die Musiker der ungeheure innere Reichtum immer neuer Klangvariationen. Ein weiterer Grund könnte sein, dass das Orchester seinen Chefdirigenten Toshiyuki Kamioka, dem es so viel zu verdanken hat, gern voll in seinem Element sieht. Strauss – selbst ein berühmter Dirigent – hat in seine Partitur für alle Stimmen so genaue Anweisungen geschrieben, dass der Dirigent beide Arme für die Interpretation frei hat.

Gefühlvolles Cello

Zunächst aber gehört das Podium Dvorak, dem Cellisten Matt Haimovitz und seinem schönen Cello aus dem Jahre 1710 (Matteo Goffriller). Mit so bekannten Stücken wie dem Dvorak-Cellokonzert ist das so eine Sache: Da haben die meisten ihre Lieblingsversion im Ohr (und im CD-Schrank). Natürlich trägt das Wuppertaler Orchester dem Solo seine Zuneigung und Können zu.

Das Cello war diesmal eher zurückhaltend, ein wenig verträumt, sehr klangschön, gefühlsinnig, mitunter die Töne zueinander rüberziehend. Dass Matt Haimovitz damit einer etwas anderen Meinung als das glutvoll aufspielende Orchester ist, kann man spannend und interessant finden, kann aber auch stören. Das Orchester jedenfalls findet in seinen Einsätzen auf angemessene Tempi und den Kern des Stückes zurück. Ganz exzellent geraten die beredten Dialoge zwischen Cello und einzelnen Orchesterstimmen. Jedenfalls haben wir mit Matt Haimovitz ohne Frage einen echten Virtuosen gehört.

Riesenhafte Besetzung

Ganz in ihrem Element sind alle nach der Pause bei Strauss, genießen die großflächigen Ausdrucks – und Tempokontraste, subtilen Klangvorgänge, Eruptionen, die üppige Vielfalt an Naturbildern bis hin zu einem beispiellos auskomponierten Gewitter.

Aber noch erstaunlicher ist, wie diese riesenhafte Besetzung in feinsten Pastellfarben am Beginn aus der Nacht und am Ende in die nächste Nacht führt. Auch da zeigen Kamioka und sein Orchester, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Strauss kommt absolut zu Ehren.

by: Von Dagmar Zschiesch

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